Verbindungsleitfaden
NAD+: Koenzym, Sirtuine und was die Alterungsforschung untersucht
Eine quellenbasierte Beschreibung von Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid (NAD+): seine Funktion als Koenzym im zellulären Energiestoffwechsel, die Verbindung zu Sirtuinen und DNA-Reparaturenzymen, was die Forschungsgruppe um David Sinclair an der Harvard Medical School veröffentlicht hat, und was das für ein Forschungsreferenzmaterial bedeutet. Ausschließlich für die Forschung.
Was NAD+ ist
Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid (NAD+) ist kein Peptid, sondern ein Koenzym: eine kleine organische Verbindung, die Enzymen als Redox-Cofaktor dient. In der oxidierten Form (NAD+) nimmt es Elektronen und Protonen auf und wird zu NADH reduziert; dieser Kreislauf ist zentral für die Zellatmung, insbesondere die Glykolyse, den Citratzyklus und die oxidative Phosphorylierung in den Mitochondrien.
NAD+ ist ubiquitär in lebenden Zellen und essentiell für den zellulären Energiestoffwechsel. Es ist keine exotische Verbindung, sondern eine der am intensivsten erforschten Biomoleküle überhaupt. Das Interesse der biogerontologischen Forschung entstand, weil intrazelluläre NAD+-Spiegel mit dem Alter messbar abnehmen, und weil NAD+ als Substrat für verschiedene Enzymklassen benötigt wird, die an DNA-Reparatur und epigenetischer Regulation beteiligt sind.
NAD+ und der Sirtuine-Pathway
Sirtuine (SIRT1–SIRT7) sind NAD+-abhängige Deacetylasen, die an der epigenetischen Regulation, der DNA-Schadensantwort und der metabolischen Anpassung beteiligt sind. Ihr Aktivitätslevel hängt direkt von der NAD+-Verfügbarkeit ab: ohne ausreichend NAD+ sind Sirtuine inaktiv.
Aus dieser Abhängigkeit leitet sich die Hypothese ab, dass ein Abfall der NAD+-Spiegel im Alter zur verminderten Sirtuinaktivität beiträgt, was wiederum DNA-Reparatur, Mitochondrienfunktion und metabolische Regulation beeinträchtigen könnte. Diese Hypothese wurde von David Sinclair, Liza Guarente und anderen untersucht und popularisiert.
- Guarente (2000, Science): Erste Verknüpfung von Sir2 (dem Hefe-Ortholog von SIRT1) mit NAD+ und verlängerter Lebensdauer in Saccharomyces cerevisiae. Dieses Ergebnis ist in Hefen gut belegt.
- Verdin (2015, Science): Übersichtsarbeit über NAD+ als zentralen Regulator des Alters in Tiermodellen, in der die Spiegel-Abfall-These und ihre metabolischen Konsequenzen zusammengefasst werden.
- Sinclair et al.: Mehrere Studien aus der Sinclair-Gruppe an der Harvard Medical School, u.a. zu NMN (einem NAD+-Vorläufer) in Mausmodellen, haben erhebliche mediale Aufmerksamkeit erhalten. Viele dieser Studien sind in C57BL/6-Mäusen, nicht in Menschen, durchgeführt worden.
NAD+ als direktes Supplement für den menschlichen Konsum ist ein aktives klinisches Forschungsfeld. Das Forschungsreferenzmaterial, das wir anbieten, ist nicht für den menschlichen Konsum bestimmt.
PARPs: Weitere NAD+-abhängige Enzyme
Neben Sirtuinen sind PARPs (Poly-ADP-Ribose-Polymerasen) wichtige NAD+-konsumierende Enzyme. PARPs werden bei DNA-Strangbrüchen aktiviert und verbrauchen dabei große Mengen NAD+ für die ADP-Ribosylierung von Reparaturproteinen. Chronischer DNA-Schaden (z.B. durch oxidativen Stress) kann so zu einer erheblichen NAD+-Depletion führen, was die Verfügbarkeit für Sirtuine verringert. Diese Wechselwirkung zwischen DNA-Reparatur und Metabolismus ist ein aktives Forschungsfeld, bekannt als der "NAD+-Wettbewerb" zwischen Sirtuinen und PARPs.
Rechtslage in Deutschland
NAD+ als solches ist keine kontrollierte Substanz in Deutschland. Es ist kein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. In manchen Märkten wird NAD+ als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Das Forschungsreferenzmaterial, das wir anbieten, ist für den ausschließlichen Laboreinsatz bestimmt und nicht als Nahrungsergänzungsmittel oder Lebensmittel klassifiziert.
Wir beziehen NAD+ als Forschungsreferenzmaterial ausschließlich aus EU-interner Quelle. Unsere Rechtslage-Seite gibt einen Überblick über den deutschen Regulierungsrahmen für Forschungsverbindungen.
NAD+ in unserem Sortiment
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Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen NAD+ und NMN oder NR?
NMN (Nicotinamid-Mononukleotid) und NR (Nicotinamid-Ribosid) sind Vorläufer von NAD+. Der Körper kann NAD+ aus diesen Vorläufern synthetisieren. Direkt zugeführtes NAD+ muss die Zellmembran überwinden, was ein aktives Forschungsfeld ist. Kein Vorläufer oder direktes NAD+ ist als Arzneimittel in Deutschland zugelassen.
Was hat die Sinclair-Gruppe konkret publiziert?
Die Sinclair-Gruppe an der Harvard Medical School hat u.a. gezeigt, dass NMN-Supplementation in alternden Mäusen NAD+-Spiegel erhöht und mit verbesserter Muskelkraft, Insulinsensitivität und anderen Biomarkern assoziiert war (Mills et al., Cell Metabolism, 2016). Das Gros dieser Daten stammt aus Mausmodellen. Humanstudien mit direktem NAD+ oder Vorläufern sind in der Literatur vorhanden, aber kleiner und mit weniger Endpunkten als die Tierstudien.
Nimmt NAD+ mit dem Alter tatsächlich ab?
Mehrere Studien (u.a. Massudi et al., 2012, PLOS ONE; Camacho-Pereira et al., 2016, Cell Metabolism) berichten, dass intrazellulare NAD+-Spiegel in Nagergeweben und im menschlichen Blut mit dem Alter korreliert abnehmen. Die kausale Bedeutung dieses Abfalls für den Alterungsprozess ist ein aktives Forschungsthema, keine gesicherte Kausalität.
Ist NAD+ als Forschungsreferenzmaterial in Deutschland legal zu kaufen?
NAD+ ist keine kontrollierte Substanz nach deutschem Recht. Als Forschungsreferenzmaterial für den ausschließlichen Laboreinsatz ist es unter einem anderen Rahmen als Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel eingeordnet. Wir beziehen ausschließlich aus EU-interner Quelle.